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Canon EOS 5D Mark III - Neuerungen im Überblick
© Thomas Klingenböck, 22.03.2012

Oberflächlich betrachtet sieht die 5DIII nur nach einem kleinen Upgrade der 5DII aus, doch schaut man sich die Änderungen im Detail an, wird deutlich, wie groß die Verbesserungen tatsächlich sind. Im Folgenden beschreiben wir die wichtigsten Neuerungen der 5DIII aus Fotografensicht, am Ende werden wir auch noch auf neue Videoeigenschaften eingehen.
Bildqualität
Natürlich beschweren sich bereits die üblichen Verdächtigen in diversen Foren, dass die Auflösung nicht deutlich erhöht wurde. Man kann es aber ohnehin nie allen recht machen - dies zeigt z.B. eine Umfrage auf nikonrumors.com, in der 59% der Befragten lieber den 16MP Sensor der Nikon D4 in der neuen D800 gesehen hätten als den 36MP Sensor, der nun verbaut wird. Wir sind jedenfalls überzeugt, dass die 22 Mio. Pixel der 5DIII einen sehr guten Kompromiss aus Auflösung, Rauschverhalten und Dateigröße darstellen. Laut Canon wurde die Bildqualität bei höheren ISO-Werten um 2 Blendenstufen verbessert, d.h. dass ein ISO 3200 Bild der 5D Mark III vergleichbar ist mit einer ISO 800 Aufnahme der 5D Mark II. Sollte sich dies bestätigen, ist das ein sehr bemerkenswertes Resultat, das Canon-intern nur von der ebenfalls neuen EOS-1D X übertroffen wird, die noch um eine weitere Blendenstufe besser sein soll. Zu beachten ist, dass sich diese Aussagen auf JPEG- und Videoaufnahmen beziehen. Bei RAW-Bildern fällt der Unterschied geringer aus, weil dafür ohnehin nicht die kamerainterne Rauschunterdrückung verwendet wird.
ISO Automatik
Als direkte Folge der verbesserten Bildqualität bei hohen ISO-Werten gewinnt die ISO-Automatik an Bedeutung. In der 5D Mark III kann endlich auch der höchste zulässige ISO-Wert und die längste zulässige Belichtungszeit eingestellt werden - ein wertvolles Hilfsmittel bei Reportage und Hochzeitseinsätzen. Wünschenswert wäre noch die Möglichkeit der Gewichtung bezüglich längerer Verschlusszeit oder höheren ISO-Werten im Av- (und P-)Modus. Damit ist gemeint, ob die Kamera bei weniger Licht zuerst die Zeit verlängert und erst dann die Empfindlichkeit erhöht oder umgekehrt.

Exkurs: Bei der Nikon D800 wurde übrigens genau diese Einstellmöglichkeit implementiert und schon länger bietet Pentax in der 645D und der K-5 diese Option. Dabei ist aber gerade die 5D Mark III eher für die reportageartige Fotografie ausgelegt als die obigen Kameras.

Autofokus
Die bedeutendste Änderung in der 5D Mark III betrifft sicher den Autofokus. Das AF-System der 5D Mark II stammt noch von der 5D aus dem Jahre 2005 - es ist zwar nicht schlecht, aber insgesamt betrachtet doch das schwächste Glied der Kette. Indem Canon sein bestes AF-System, nämlich jenes aus der EOS-1D X, im Wesentlichen unverändert in die 5D Mark III eingebaut hat, wurde diese Einschränkung überraschend offensiv beseitigt. Das letzte Mal als Canon das Top-AF-System in einem kleineren Gehäuse verwendet hat, liegt schon 14 Jahre zurück. Damals bekam die analoge EOS-3 den 45-Punkt-AF, der die Grundlage für das System in den späteren EOS-1er Kameras bildete. In der 5D Mark III haben wir es nun mit 61 AF-Feldern zu tun, von denen 41 Felder als Kreuzsensoren ausgeführt sind, d.h. sie reagieren auf horizontale und vertikale Strukturen. Ebenfalls hervorzuheben ist die gesteigerte Lichtempfindlichkeit des AF-Sensors: Der Arbeitsbereich beginnt nun bereits bei einem Lichtwert von -2, das entspricht laut Canon der Helligkeit bei Vollmond.
Serienbildgeschwindigkeit
Die Bildrate wurde in der 5D Mark III auf 6 Bd./s verdoppelt, wobei diese Geschwindigkeit mit ausreichend schnellen Karten für bis zu 18 RAW-Bilder aufrechterhalten werden kann (also drei Sekunden lang). Für Fotografinnen und Fotografen denen das nicht genügt, bleibt noch die Möglichkeit auf JPEG-Aufnahmen umzuschalten, da dann mit 6 Bd./s geschossen werden kann bis die Karte voll ist. Zum Vergleich: Die 1D X hält ihre höchste Geschwindigkeit (12 Bd./s) für 38 RAW-Aufnahmen durch, also auch etwa drei Sekunden lang. Bei gedrosselter Bildrate von 6 Bd./s wären mit der 1D X natürlich mehr Aufnahmen möglich, dazu gibt es aber noch keine genauen Daten.
Zweiter Kartenslot
Nach dem Vorbild der bisherigen EOS-1D(s) Kameras verfügt die 5D Mark III jetzt auch über einen zweiten Kartenslot. Dass die Wahl dabei auf einen SD-Slot fiel, finden wir sehr positiv. Zwei unterschiedliche Kartenformate erleichtern nämlich die Organisation ganz wesentlich, wenn z.B. die Backupdaten nur auf den SD-Karten gespeichert werden. Außerdem sind SD-Karten vergleichsweise günstig und der Einbau in der Kamera ist sehr platzsparend möglich.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der Verwendung von Eye-Fi Karten zur drahtlosen Bildübertragung. Die Alternative, nämlich der Canon WFT-E7 Wireless Transmitter, ist nicht nur viel teurer, sondern aufgrund seiner Größe auch unpraktischer.

100% Sucher
Ein großer, heller Sucher wird immer geschätzt, bei der 5D Mark III deckt dieser außerdem die ganze Bildfläche ab. Die Mattscheibe ist nicht mehr auswechselbar, dafür gibt es nun einblendbare Gitterlinien. Zu hoffen ist, dass die fix verbaute Mattscheibe besser gegen Verschmutzung geschützt ist, aber das wird erst die Praxis zeigen.
Video
  • Standardmäßig verwendet die 5D Mark III für die Videoaufzeichung den H.264 Codec mit Intra-Frame Komprimierung (ALL-I, jeder Frame wird einzeln komprimiert) und einer Datenrate von über 90 Mbit/s (durchschnittliche Bitrate, da mit VBR aufgenommen wird). Dadurch ist die Datenqualität höher und wesentlich besser für die Nachbearbeitung geeignet. Die Tatsache, dass nach wie vor kein unkomprimiertes Signal über HDMI ausgegeben wird, sollte dadurch leichter zu verschmerzen sein.
  • Wahlweise steht auch eine Inter-Frame Komprimierung (IPB) zur Verfügung. Dabei beträgt die Datenrate etwas über 30 Mbit/s. Zum Vergleich: Die 5D Mark II verwendet eine IPP Inter-Frame Komprimierung mit ca. 39 Mbit/s.
  • Aufgrund der (lt. Canon 17x) höheren Rechenleistung des DIGIC 5+ Prozessors kann die 5D Mark III alle Zeilen des Sensors auslesen - beim Vorgängermodell war dies angeblich nur jede dritte Zeile. Leider gibt es von Canon (noch) keine detaillierten technischen Informationen betreffend den Übergang von der vollen Sensorauflösung auf die Videoauflösung, nur die Aussage, dass Artefakte und Moiré-Effekte reduziert wurden.
  • Die maximale Aufnahmedauer pro Clip beträgt nun 29min59sec. Eine noch längere Zeit hätte die Kamera aus steuerrechtlichen Gründen bei der Einfuhr nach Europa empfindlich verteuert. Das wäre bei einer Kamera, die in erster Linie immer noch ein Fotoapparat ist, wohl nicht zu rechtfertigen.
  • Als erste Canon DSLR verfügt die 5D Mark III über einen Kopfhörerausgang zur Tonkontrolle.
  • Im Gegensatz zum Vorgängermodell kann nun auch im 720p Modus mit 50/60 fps aufgenommen werden.
Ein paar Gedanken zur Auflösung der 5D Mark III
Die 22,12 Mio. Pixel ergeben sich aus der Bildbreite von 5760 Pixel und der Höhe von 3840 Pixel. Warum 5760 Pixel? Nun, dividiert man diese Zahl durch 3, ergibt das genau 1920 - das ist die Breite des Full HD Videoformats. Mit der Höhe verhält es sich natürlich genauso: 3240 (die reduzierte Höhe im Movie Modus) geteilt durch 3 liefert 1080 Pixel. Das bedeutet also, dass das voll aufgelöste Bild auf relativ einfache Art auf die Videoauflösung reduziert werden kann. Obwohl es noch keine gesicherten Informationen über die verwendeten Berechnungsmethoden gibt, so gehen wir doch davon aus, dass diese Überlegungen bei der Wahl der Auflösung eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Betreibt man diese Rechenspiele noch weiter, so kommt man darauf, dass das nächste ganzzahlige Verhältnis, nämlich 4, zu einem Sensor mit 7680 x 5120 = 39,32 Mio. Pixeln führen würde. Wenn man annimmt, dass die (Full HD) Videoaufzeichnung weiterhin ein wichtiger Bestandteil von DSLR-Kameras sein wird, dann sollte man sich diese Zahl merken.

Exkurs: Bei der digitalen Filmkamera EOS-C300 verwendet Canon übrigens ein Verhältnis von 1:2, d.h. der Sensor hat in jeder Dimension doppelt so viele Pixel wie für die HD-Aufzeichnung notwendig sind, nämlich 3840 x 2160. Dies ist die Grundlage für schlaue Berechnungsmethoden, die bei der C300 für ein besonders hochwertiges Videobild sorgen (Technische Artikel siehe: Sensor White Paper, Resolution Considerations White Paper).

Vergleich zur EOS-1D X
Im Folgenden wollen wir kurz die wesentlichsten Unterschiede der 1D X zur 5D Mark III auflisten:
  • Rauschverhalten um ca. 1 Blendenstufe besser
  • max. Serienbildgeschwindigkeit 12 Bd./s statt 6 Bd./s, verbunden mit einer größeren Puffertiefe
  • 100.000 Pixel RGB-Belichtungssensor mit eigenem DIGIC 4 Prozessor, der auch Daten an das AF-System liefert. Folglich ist ein leistungsstärkerer AF bei bewegten Objekten (AI Servo Modus) zu erwarten.
  • Dual DIGIC 5+ Prozessoren
  • bessere Abdichtungen gegen Staub und Wasser
  • längere mittlere Verschlusslebensdauer (300.000 gegenüber 150.000 Auslösungen)
  • höhere Akku-Kapazität (2450 mAh gegenüber 1800 mAh)

Einige fragen sich aufgrund der vielversprechenden Daten der 5D Mark III vielleicht, ob die erheblichen Mehrkosten für eine 1D X überhaupt gerechtfertigt sind, denn bisher waren die großen Canon Modelle stärker von den "semiprofessionellen" Modellen, wie z.B. der 5D Mark II abgegrenzt. Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass auch bei wesentlich größeren Übereinstimmungen (z.B. Nikon D3 und D700) immer noch ein ausreichend großer Bedarf an dem etwas besseren/deutlich teureren Modell besteht. Und auch wenn manche Unterschiede auf den ersten Blick nur gering erscheinen, so ergibt dies unter dem Strich doch ein besseres Gerät. Dass man für ein wenig mehr Leistung, Ausstattung etc. oft einen viel höheren Preis zahlen muss, kennt man ja von zahlreichen anderen technischen Geräten des täglichen Gebrauchs.

Update 24.05.2012
Nach 2 Monaten Erfahrung mit der Kamera wollen wir noch auf ein paar Punkte eingehen, die uns in der Praxis aufgefallen sind:
  • Die neue Implementierung des leisen Aufnahmemodus ist sehr gelungen. Zum einen ist das Auslösegeräusch tatsächlich viel leiser und zum anderen steht die Funktion auch im Serienbildmodus (bei 3 Bd./s) zur Verfügung. Die Auslöseverzögerung ist zwar etwas länger als im Normalbetrieb, aber nicht so, dass es wirklich stören würde.
  • Durch die vielfältigeren Einstellmöglichkeiten ist das Menü deutlich umfangreicher und leider auch etwas unübersichtlicher geworden. Die wichtigsten Menüpunkte können aber wie bisher auf einer eigenen Seite gespeichert werden, sodass ein schneller Zugriff möglich ist.
  • Das AF-System verfügt zwar über 61 Felder, davon 41 Kreuzsensoren, doch dabei ist zu beachten, dass diese nicht bei allen Objektiven zur Verfügung stehen. So werden u.a. beim 100mm f/2,8 Macro USM, beim 70-300mm f/4-5,6 L IS USM und beim 100-400mm f/4,5-5,6 L IS USM die Kreuzsensoren auf die 21 Felder in der Mitte des Suchers beschränkt. Das gleiche gilt für Kombinationen mit Extender, bei denen die resultierende Offenblende f/5,6 beträgt.
  • Nicht vergessen sollte man auch, dass Canon als einziger Kamerahersteller im Kleinbildbereich einen leistungsfähigen RAW-Konverter kostenlos zur Verfügung stellt. In der neuesten Version von Digital Photo Professional gibt es nun auch eine sogenannte digitale Objektivoptimierung, mit der zahlreiche Abbildungsfehler automatisch korrigiert werden können. Diese Korrektur wird direkt auf die RAW-Daten angewandt und die Tatsache, dass die Dateigröße dabei um das Zwei- bis Dreifache steigt, zeigt, wie umfangreich und wirkungsvoll diese Maßnahme ist. Übrigens werden auch einige ältere Kameramodelle von diesem neuen Feature unterstützt.
  • Das Videobild ist eher weich, lässt sich aber aufgrund der geringen Artefaktneigung und des guten Codecs überaus gut in der Postproduktion nachschärfen.
  • Zur weiteren Vertiefung empfehlen wir den ausführlichen Test der 5D Mark III auf dpreview.com.